Bremerhaven

Alkoholsucht in Bremerhaven und Landkreis: Wie schlimm ist die Lage – und was können Sie tun?

Im Land Bremen und dem Elbe-Weser-Dreieck leiden überdurchschnittlich viele Menschen an Alkohol. Laut Barmer-Studie bleibt das Thema eine große Herausforderung.

ARCHIV - 19.11.2007, Hessen, Frankfurt\Main: ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Bar-Besucher genießt in einer Szene-Bar in Frankfurt am Main ein Glas Whiskey mit Eis. Foto\ Klaus-Dietmar Gabbert/dpa (zu dpa: «Weniger Stigmatisierung - Mehr Rehas») Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Regionale Unterschiede bei Alkoholsucht: Norddeutschland über dem Durchschnitt Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Alkoholsucht: Eine unterschätzte Gefahr in Norddeutschland

Im Land Bremen und dem Elbe-Weser-Dreieck sind überdurchschnittlich viele Menschen von Alkoholsucht betroffen. Laut einer aktuellen Auswertung der Barmer-Krankenkasse erhielten in Bremen 2,02 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2023 die Diagnose „psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“.

1,4 Millionen Menschen in Behandlung – Männer besonders betroffen

In ganz Deutschland waren 2023 mehr als 1,4 Millionen Menschen aufgrund von Alkoholsucht in Behandlung. Männer sind dabei mit einem Anteil von über zwei Dritteln deutlich häufiger betroffen als Frauen. Doch die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte noch höher liegen, da viele Menschen keine professionelle Diagnose erhalten.

Alkoholsucht erkennen und Angehörige einbinden

Die Erkennung von Alkoholsucht ist oft eine Herausforderung, da Betroffene ihren Konsum häufig verheimlichen oder bagatellisieren. Experten raten, Betroffene nicht zu verurteilen, sondern behutsam das Gespräch zu suchen.

Für Angehörige ist es wichtig, selbst Unterstützung zu suchen, zum Beispiel bei Beratungsstellen wie der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) oder der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Cuxhaven. Diese bietet nicht nur Informationen zu lokalen Selbsthilfegruppen, sondern unterstützt auch bei der Vernetzung von Betroffenen und deren Angehörigen.

Alkoholkonsum: Deutschland im internationalen Vergleich

Mit durchschnittlich 12,2 Litern Reinalkohol pro Person im Jahr 2019 gehört Deutschland laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum weltweit. Der internationale Durchschnitt liegt mit 5,5 Litern deutlich niedriger. Gleichzeitig sind die gesundheitlichen Folgen alarmierend: 2,6 Millionen Menschen starben 2019 weltweit an den Folgen des Alkoholkonsums.

Handlungsbedarf und Prävention

Trotz der gravierenden gesundheitlichen Risiken wird das Problem oft unterschätzt und tabuisiert. Alkohol ist in Deutschland leicht zugänglich und gesellschaftlich akzeptiert – ein Faktor, der die Früherkennung und Behandlung von Abhängigkeit erschwert. Experten wie Falk Kiefer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung, betonen die Wichtigkeit der Selbstreflexion: Wer seine Freizeit nach Trinkgelegenheiten plant oder heimlich konsumiert, sollte sich kritisch hinterfragen.

Ansprechpartner und Anlaufstellen in Bremerhaven, Geestland und dem Landkreis Cuxhaven:

Diese Stellen bieten Beratungen und Informationen sowohl für Betroffene als auch für Angehörige:

Bremerhaven

AWO Suchtberatung Bremerhaven

  • Angebote: Suchtprävention, Einzel- und Gruppentherapien sowie Hilfsangebote für Familienangehörige.
  • Telefon: 0471 9022230
  • Website: www.awo-bremerhaven.de

Caritasverband Bremerhaven – Suchthilfezentrum

  • Angebote: Suchtberatung, Therapieangebote, Hilfe bei Rückfällen und Nachsorge.
  • Telefon: 0471 9277510
  • Website: www.caritas-bremen.de

Landkreis Cuxhaven und Geestland

Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Cuxhaven

  • Angebote: Vermittlung in Selbsthilfegruppen, Beratung für Betroffene und Angehörige, Informationen über regionale Unterstützungsangebote.
  • Adresse: Rohdestraße 3, 27474 Cuxhaven
  • Telefon: 04721 554234
  • Website: www.paritaetischer.de

Selbsthilfegruppen (z. B. AA – Anonyme Alkoholiker)

  • Treffen in der Region: In Cuxhaven, Bremerhaven und Geestland gibt es regelmäßige Meetings der Anonymen Alkoholiker (AA).
  • Hotline: 01803 224357 (deutschlandweit)
  • Website: www.anonyme-alkoholiker.de

Sucht-Selbsthilfe Beers

  • Diese Selbsthilfegruppe wendet sich an alle, die den Wunsch haben, ohne Einfluss von bewusstseinsverändernden Substanzen – insbesondere Alkohol – durchs Leben zu gehen. Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch und jeder*r kann kommen, auch ohne vorherige Anmeldung. Alles bleibt anonym.
  • Treffen: jeden Mittwoch 20:00 – 21:30 Uhr
  • Gemeindehaus der Ev.- luth. Kirchengemeinde
  • Beerster Mühlenweg 1, 27624 Bad Bederkesa

Weitere Hilfsmöglichkeiten

(krü)

ARCHIV - Eine Selbsthilfegruppe kann bei Alkoholsucht Teil einer Langzeittherapie sein, um Rückfällen vorzubeugen. (zu dpa: «Alkoholsucht: Gefährdung erkennen und Hilfe finden») Foto: Felix Kästle/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Alkoholsucht: Gefährdung erkennen und Hilfe finden. Foto: Felix Kästle

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